Tipps aus dem Kloster

Geschrieben am 31.03.2020

Im Haus der Stille – Puregg durfte ich über mehrere Jahre als Hausleitung das Leben in Abgeschiedenheit und Gemeinschaft kennenlernen und üben. Für viele Menschen ist das dieser Tage eine neue und unfreiwillige Situation. Daher möchte ich Euch gerne daran teilhaben lassen was sich über die Jahre bewährt hat. Vielleicht ist das eine oder andere dabei das Ihr in Euren Alltag integrieren wollt.

  • Eine gemeinsame Basis

Das Zusammenleben unterschiedlichster Menschen hier am Berg ist dadurch möglich, dass es eine vereinbarte Grundlage gibt die Priorität hat. In unserem Fall ist das die meditative Praxis vor allem im Sitzen und auch in den alltäglichen Handlungen wie Arbeit, Körperübungen etc.. Was ist Deine/Eure Priorität?

  • Wir dürfen schweigen

Stille ist von unschätzbarem Wert und wir machen sie uns zum Geschenk. Ein Lächeln, eine Geste können viel verbindender wirken als hundert leere Worte. Natürlich sind Gespräch auch wichtig, gerade in diesen Zeiten, und hier können die Bedürfnisse recht unterschiedlich sein. Da heißt es achtsam zu sein und aufeinander Rücksicht zu nehmen. In unserer Tagesstruktur gibt es z.B. eine Zeit für Studium in der gelesen wird, und danach ein Austausch zu den verschiedenen Themen.

Für Unstimmigkeiten gibt es ein vereinbartes Format für Aussprachen, in dem jeder Gehör findet. Dabei kann zum Ausdruck kommen wie es einem gerade geht und was man sich wünscht, möglichst ohne Schuldzuweisungen oder andere zu bewerten. Gegenseitige Wertschätzung und Dankbarkeit sind immer hilfreich.

  • Ein gemeinsamer Tagesplan

Eine Tagesstrukutr die für alle gilt gibt Stabilität und vereinfacht das Zusammenleben enorm. Auch im Kloster müssen wir Essen, Schlafen, Arbeiten und Pausen machen. Überlegt einmal wie so eine Tagesstruktur für Euch aussehen kann. Nachdem der Plan für alle gilt muss er von allen Zustimmung erhalten. Hier am Berg ist diese Zustimmung Voraussetzung um auf Puregg zu leben. Letztlich sind diese Regeln natürlich dazu da um uns zu unterstützen und nicht in Stein gemeißelt. Änderungen sind möglich sofern alle zustimmen. Das Ganze ist eher ein lebendiger Prozess als ein Idealzustand der versucht wird beizubehalten.

  • Der Weg der Mitte

Längere Meditationsretreats können uns an unsere Grenzen und darüber hinaus führen. Auch die derzeitige Situation der eingeschränkten Bewegungsfreiheit kann für viele sehr belastend sein. Unter Umständen funktionieren alte Muster und Strategien mit dem Leben umgehen nur noch bedingt. Gleichzeitig ist das eine große Chance das eigene Verhalten in einem ganz anderen Licht zu sehen. Es empfiehlt sich in ohnehin schwierigen Situationen auf Extreme jeglicher Art, auf Askese sowie Exzesse, zu verzichten. Vielleicht ist besser mit der Rauchentwöhnung noch etwas zu warten uns sich das lieb gewordene Stück Torte weiterhin zu gönnen.

Möge die Übung gelingen!